Brigida von Kildare, Patronin Irlands


Gedächtnis: 1. Februar
Die heilige apostelgleiche Brigida, Äbtissin von Kildare und Erleuchterin Irlands, wurde der Überlieferung zufolge um die Mitte des 5. Jahrhunderts in Fothart Muirthemne, dem heutigen Faughart bei Dundalk im heutigen County Louth, geboren. Über ihre genaue Herkunft und ihr Geburtsjahr unterscheiden sich die frühen Lebensbeschreibungen in einzelnen Angaben. Ihr Vater wird in der Überlieferung Dubhthach genannt, ihre Mutter Brocca. Schon von Kindheit an zeichnete sich Brigida durch große Frömmigkeit, Reinheit und eine außergewöhnliche Barmherzigkeit gegenüber den Armen aus. Cogitosus berichtet bereits in seiner frühen Vita, wie sie Lebensmittel an Bedürftige verschenkte und diese auf wunderbare Weise wieder ersetzt wurden.
Brigida entschloss sich früh, ihr Leben ganz Christus zu weihen und in Jungfräulichkeit zu leben. Nach Cogitosus empfing sie den Schleier der Jungfrauen aus der Hand des heiligen Bischofs Mac Caille. Als sie bei ihrer Weihe den hölzernen Fuß des Altars berührte, soll das alte Holz auf wunderbare Weise wieder frisch und grün geworden sein. Bald sammelten sich andere Frauen um Brigida, die ihrem Leben des Gebetes, der Askese und der tätigen Nächstenliebe folgen wollten.
Besonders eng ist ihr Name mit Kildare verbunden. Der irische Name Cill Dara bedeutet „Kirche der Eiche“. Dort entwickelte sich eine bedeutende monastische Gemeinschaft von Frauen und Männern. Brigida berief den heiligen Conleth, der als Bischof für die Gemeinschaft wirkte. Cogitosus beschreibt Brigida und Conleth als die beiden großen geistlichen Häupter der Kirche von Kildare: Brigida leitete die Gemeinschaft als Äbtissin, während Conleth das Bischofsamt ausübte. Kildare entwickelte sich zu einem der bedeutendsten geistlichen Zentren Irlands und wurde zugleich zu einem Ort des Gebetes, der Gastfreundschaft und der Zuflucht für Bedürftige und Verfolgte.
Die frühen Lebensbeschreibungen schildern Brigida als eine Heilige, deren asketisches Leben untrennbar mit ihrer Liebe zu den Menschen verbunden war. Immer wieder verschenkte sie Lebensmittel und andere Güter an Arme und Notleidende. Cogitosus berichtet sogar, dass sie die kostbaren liturgischen Gewänder des heiligen Conleth an Bedürftige verschenkte. Als diese später benötigt wurden, wurden sie auf wunderbare Weise ersetzt. Andere Überlieferungen erzählen von der Vermehrung von Speisen, von Heilungen Kranker, von der Rettung Bedrängter und von zahlreichen weiteren Wundern, die durch ihr Gebet geschahen. Selbst Tiere erscheinen in den alten Erzählungen immer wieder als Gegenstand ihrer Fürsorge.
In der kirchlichen Überlieferung ist Brigida eng mit dem heiligen Patrick verbunden. Spätere frühe Lebensbeschreibungen berichten von Begegnungen zwischen beiden und stellen Brigida in die geistliche Tradition des Erleuchters Irlands. Die orthodoxe liturgische Überlieferung bezeichnet sie als Schülerin des heiligen Patrick. Wie Patrick wirkte auch Brigida entscheidend an der Festigung des christlichen Lebens in Irland mit. Aufgrund ihres weitreichenden geistlichen Wirkens wird sie in der orthodoxen Kirche als Apostelgleiche und Erleuchterin Irlands verehrt. Gemeinsam mit dem heiligen Patrick und dem heiligen Columba von Iona gehört sie zu den großen Patronen des irischen Volkes.
Die Verehrung Brigidas muss sich bereits früh weit verbreitet haben. Besonders eindrucksvoll bezeugt dies Cogitosus im 7. Jahrhundert. Er beschreibt die große Kirche von Kildare, in der die Gräber der heiligen Brigida und des heiligen Conleth zu beiden Seiten des reich geschmückten Altars lagen. Die Gräber waren kostbar mit Gold, Silber, Edelsteinen und anderen Verzierungen geschmückt. Kildare war zu seiner Zeit ein bedeutender Wallfahrtsort geworden, zu dem zahlreiche Gläubige kamen, insbesondere zum Fest der heiligen Brigida am 1. Februar. Cogitosus bezeichnet Kildare zugleich als einen sicheren Zufluchtsort für Verfolgte und berichtet, dass dort sogar die Schätze von Königen verwahrt wurden.
Die heilige Brigida entschlief zu Beginn des 6. Jahrhunderts. Ein genaues Todesjahr lässt sich aufgrund der unterschiedlichen Überlieferungen nicht mit Sicherheit bestimmen; ihr Tod wird gewöhnlich in die 520er Jahre gesetzt. Ihr Gedächtnis wird seit alters her am 1. Februar gefeiert. Ihr Grab in Kildare wurde zum Mittelpunkt einer weitreichenden Verehrung, die sich von Irland aus auch auf andere Länder verbreitete.
Bis heute gehört die heilige apostelgleiche Brigida von Kildare neben dem heiligen Patrick und dem heiligen Columba zu den am meisten verehrten Heiligen Irlands. Als Äbtissin, Wundertäterin und Erleuchterin des irischen Volkes wird sie insbesondere als Vorbild der Jungfräulichkeit, der Barmherzigkeit und der selbstlosen Liebe zu den Armen verehrt.
Quellen: Cogitosus, Vita Sanctae Brigidae; anonymer Verfasser, Vita Prima Sanctae Brigidae; Rumänische Orthodoxe Erzdiözese von Großbritannien und Nordirland, „Saint Brigide of Kildare“; Saints of the Isles, „Our Venerable Mother Bridget of Kildare, Abbess, Equal-to-the-Apostles of Ireland“.
Gebete
Troparion (1. Ton)
O heilige Brigida, du wurdest erhaben durch deine Demut und flogst auf den Flügeln deiner Gottessehnsucht. Als du ankamst in der ewigen Stadt und vor deinem göttlichen Bräutigam erschienst, die Krone der Unschuld tragend, hieltest du dein Versprechen, dich an jene zu erinnern, die zu dir ihre Zuflucht nehmen. Du überschüttest die Welt mit Gnade und vermehrst die Wunder. Leiste Fürbitte bei Christus unserem Gott, dass er unsere Seelen retten möge.
weiteres Troparion (4. Ton)
Durch die Worte des heiligen Patrick unterwiesen, kamst du bis in den äußersten Westen und verkündetest den Aufgang aus der Höhe, der uns heimgesucht hat. Darum preisen wir dich selig, ehrwürdige Mutter Brigida, und rufen dir zu: Bitte für unsere Seelen.
Kondakion (4. Ton)
Erfüllt von göttlicher Weisheit, folgte die heilige Jungfrau Brigida mit Freude dem Weg der Kindschaft gemäß dem Evangelium, und mit der Gnade Gottes erlangte sie so den Gipfel der Tugend. Nun verleiht sie Segen denjenigen, die zu ihr mit Vertrauen kommen. O heilige Jungfrau, bitte Christus, unseren Gott, dass er sich unserer Seelen erbarme.
weiteres Kondakion (6. Ton)
Den fürstlichen Rang hast du verworfen und das gottgemäße monastische Leben geliebt; aus den Bäumen des Haines hast du ein Kloster errichtet, das erste in jenem Land, und dort eine große Schar von Nonnen für Gott versammelt. So hast du die umliegenden Länder gelehrt, zum Herrn zu rufen: Erbarme dich unser.
Hochpreisung (Megalynarion)
Wir preisen dich selig, ehrwürdige Mutter Brigida, und ehren dein heiliges Gedächtnis; denn du bittest für uns Christus, unseren Gott.